Von der Backstube ins EU-Parlament: Was wir Dr. Katarina Barley mitgegeben haben

Zum diesjährigen Tag des Deutschen Brotes wurde Dr. Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, zur Brotbotschafterin 2026 ernannt. Am 16. Mai hat sie die Köhlers Vollkornbäckerei in Würzburg besucht. Im Gespräch ging es um regionale Wertschöpfung, Bürokratie, Energiekosten, die Nachfolge im Handwerk – und um die geplante EU-Deregulierung der Gentechnik. Im Gepäck für die Rückreise: unser Positionspapier.


Es gibt Tage, an denen die Politik nicht nach Brüssel reisen muss – sie kommt zu uns. Dr. Katarina Barley, frisch ernannte Brotbotschafterin 2026 und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, trägt nicht nur Getreide im Namen (engl. barley = Gerste), sondern auch im Herzen – besonders schätzt sie gehaltvolle Körner- und Vollkornbrote. Am Samstag, den 16. Mai 2026 hat sie Ernst Köhler und seinen Geschäftsführer und Brotsommelier Hans Wegener in Köhlers Vollkornbäckerei in Würzburgs Innenstadtfiliale „Alte Mainbrücke" besucht.

Würzburg war an diesem Wochenende durch die Katholikentage ohnehin voll, die Filiale entsprechend gut besucht. Viele Kundinnen und Kunden erkannten Frau Dr. Barley sofort, es gab Gespräche, Fotos, ein freundliches Hin und Her zwischen Theke und Tresen. Nach der Begrüßung fanden wir Zeit für ein ruhiges Gespräch. 

Die Themen lagen schnell auf dem Tisch, und sie sind es, die uns als Handwerksbetriebe tagtäglich beschäftigen:

  • Regionale Wertschöpfung und die Frage, wie lokale Wirtschaftskreisläufe Ausbildungs- und Arbeitsplätze in unseren Regionen sichern.
  • Bürokratieabbau für kleine und mittelständische Betriebe – konkret etwa die umfangreichen monatlichen Erhebungen des Landesamtes für Statistik, die seit Jahren Zeit und Geld kosten.
  • Energiekosten im besonders energieintensiven Bäckerhandwerk. Frau Dr. Barley zeigte Verständnis dafür, dass für viele Handwerksbetriebe schwer nachvollziehbar ist, warum vor allem große Industriebetriebe von Entlastungsprogrammen profitieren sollen.
  • Die Nachfolgeproblematik und ihre Folgen für die Vielfalt des deutschen Bäckermarkts – zu der auch Frau Dr. Barley Beispiele aus ihrer Heimatregion beitrug.
  • Und schließlich: die aktuellen Pläne der EU zur Deregulierung der Gentechnik.

So unterschiedlich diese Punkte wirken – sie hängen zusammen. Im Bäckerhandwerk ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse in rund 20 Jahren um mehr als 75 Prozent zurückgegangen, in handwerksnahen Branchen sind teils bis zu 60 Prozent der Betriebe verschwunden. Das ist kein Naturereignis, sondern Ergebnis politischer Weichenstellungen. Genau deshalb haben wir Frau Dr. Barley unser Positionspapier in dreifacher Ausfertigung mitgegeben.

Was im Positionspapier steht

Unter dem Titel „Lebensmittelhandwerk stärken, Vorsorgeprinzip sichern – Faire Marktbedingungen, volle Transparenz und das Recht auf gentechnikfreies Handwerk" bündelt das Papier Forderungen an Bundestag, Bundesregierung und EU-Institutionen. Es verbindet die Perspektive der Freien Bäcker:innen mit wissenschaftlich fundierten Analysen zum Strukturwandel und zur aktuell geplanten Gentechnikpolitik – und zeigt auf, welche ordnungspolitischen Reformen jetzt nötig sind: von einer schärferen Wettbewerbsaufsicht über KMU- und Handwerksklauseln in der Gesetzgebung bis zum rechtlich geschützten Begriff „handwerkliche Bäckerei".

„Wer vorsorgeorientiert, regional verankert und handwerklich produziert, darf nicht dafür bestraft werden, dass regulatorische Lücken Transparenz und Wahlfreiheit aushöhlen."

Vorsorgeprinzip statt Augen-zu-und-durch

Das längste Gespräch drehte sich um ein Thema, das uns hier im Blog seit Monaten begleitet: die geplante Deregulierung Neuer Gentechnischer Verfahren (NGT) auf EU-Ebene. Wir haben Frau Dr. Barley deutlich gemacht, was sie für unser Handwerk bedeutet – Verlust von Transparenz gegenüber unseren Kundinnen und Kunden, gefährdete gentechnikfreie Wertschöpfungsketten, Rechtsunsicherheit von Acker bis Backstube.

Das Positionspapier formuliert es so:

„Die aktuellen Initiativen zur Deregulierung sogenannter Neuer Gentechnik in der Europäischen Union drohen, grundlegende Prinzipien der europäischen Lebensmittelpolitik abzuschaffen: insbesondere das Vorsorgeprinzip, umfassende Produktsicherheit, Prozess- und Produkttransparenz sowie die Sicherung echter Wahlfreiheit."

Frau Dr. Barley hat zum Kommissionsvorschlag klar Stellung bezogen und ihre kritische Haltung formuliert. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass sie die Chancen, das Vorhaben vollständig zu stoppen, derzeit eher gering einschätzt. Umso wichtiger sind die im Papier ausformulierten Auffanglinien – etwa eine Direktklage Deutschlands gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten, ein verbindlicher Haftungsfonds, in den NGT-Nutzende einzahlen, sowie lückenlose Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit.

Jetzt lesen, weiterleiten, ernst nehmen.

Das Papier richtet sich nicht nur an Frau Dr. Barley, sondern ausdrücklich auch an Bundestag, Bundesregierung und die Institutionen der Europäischen Union. Wenn Sie unsere Position teilen: leiten Sie es weiter – an Kolleginnen und Kollegen, an Abgeordnete in Ihrem Wahlkreis, an alle, die regionales Handwerk und gentechnikfreie Lebensmittel ernst meinen.

Wir sagen Frau Dr. Barley herzlichen Dank für den Besuch, das offene Gespräch und das Versprechen, unsere Anliegen mit nach Brüssel und Straßburg zu nehmen.


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