Mehr Natur im Brot

Gut gelungene, ehrliche Brote und Backwaren begeistern! Auf jeden Fall diejenigen, die wissen, was ein gutes Brot oder Brötchen ausmacht. Dazu gehört auch die Gemeinschaft der Freien BäckerInnen, die sich an dem Forschungsprojekt VORWERTS beteiligt. Seit dem 2. Februar backen und vermarkten acht Bäckereien in Deutschland Brot und Kleingebäck unter dem Motto Mehr Natur im Brot. Sicherlich werden diese Backwaren nicht nur die Bäcker und Bäckerinnen begeistern.


Der in den Gebäcken enthaltene Weizen wurde von den Praxispartnern aus der Landwirtschaft auf ihren Feldern gemischt mit Erbse angebaut. Nach der Ernte der Mischung wurde diese gereinigt und dabei die Erbsen so weit wie möglich, ohne dass dabei ein unwirtschaftlicher Aufwand entsteht, rausgereinigt. Ein geringer Anteil an Brucherbse im Weizen, bis zu 3%, wurde bewusst toleriert und von den beteiligten Mühlen vermahlen.

Warum trägt die Kampagne das Motto: Mehr Natur im Brot?

Backwaren aus Weizen, der zusammen mit Erbsen angebaut wurde, stehen für eine andere Art Landwirtschaft – sie erzählen eine Geschichte von lebendigen Böden, mehr Vielfalt und weniger Umweltbelastung.

  1. Klima und Ressourcen: weniger Dünger, besser genutzte Nährstoffe
    Erbsen gehören zu den Hülsenfrüchten und können mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Dadurch braucht der Weizen in der Mischkultur weniger mineralischen Stickstoffdünger, was Energie und damit Treibhausgase spart.In Mischbeständen verteilt sich das Wurzelwerk besser im Boden: Die Pflanzen nutzen Licht, Wasser und Nährstoffe effizienter, und der Gesamt-Ertrag aus Weizen plus Erbse kann höher sein als bei reinen Weizen- oder Erbsenfeldern.[5][3][2]
     
  2. Artenvielfalt: mehr Leben über und im Boden
    Auf einem Feld mit zwei Kulturarten gibt es unterschiedliche Wuchshöhen, Blühzeiten und Wurzelformen – das schafft mehr Nischen für Insekten, Bodenorganismen und Begleitflora als in einer eintönigen Weizenfläche.Die Mischung puffert auch Krankheits- und Schädlingsdruck ab: Krankheiten, die sich in reinen Getreidebeständen „durchziehen“, breiten sich im bunt gemischten Bestand schlechter aus. Das ermöglicht weniger Pflanzenschutzaufwand.
     
  3. Ackerböden und Grundwasser: Schutz statt Auslaugen
    Erbsen und Weizen erschließen Nährstoffe in unterschiedlichen Bodentiefen. Was die eine Kultur nicht schafft, holt oft die andere – es bleibt weniger überschüssiger Stickstoff im Boden, der später ins Grundwasser ausgewaschen werden könnte.Durch die bessere Durchwurzelung und mehr organisches Material aus unterschiedlichen Pflanzenresten wird der Boden krümeliger, speichert mehr Wasser und Nährstoffe und ist besser gegen Erosion geschützt. Das ist zentral für fruchtbare Böden und sauberes Grundwasser.
     
  4. Backqualität und Ernährung: besseres Eiweiß, mehr Vielfalt auf dem Teller
    Versuche zeigen: Weizen aus Mischkultur mit Erbsen kann höhere Protein- und Klebergehalte haben als Weizen aus Reinanbau – bei gleicher oder sogar geringerer Düngung. Für Brot bedeutet das oft eine bessere Backqualität.Gleichzeitig liefert die Erbse pflanzliches Eiweiß und Ballaststoffe, die in der Wertschöpfungskette genutzt werden können – sei es als Mehlanteil im Brot oder in anderen Lebensmitteln. So entstehen Backwaren, die aus klimafreundlichem Getreide kommen und eiweiß- und ballaststoffreicher sein können.
     
  5. Bäuerliche Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung
    Mischkulturen passen besonders gut zu bäuerlichen Betrieben, die vielfältige Fruchtfolgen fahren und mit regionalen Mühlen und Bäckereien zusammenarbeiten. Sie breiten das Risiko: Wenn die Erbsen im trockenen Jahr etwas schwächeln, fängt der Weizen einen Teil des Ertragsverlusts auf – und umgekehrt.

    Projekte wie VORWERTS zeigen, dass entlang der ganzen Kette – vom Acker über Reinigung, Trennung und Mühle bis zur Backstube – neue regionale Produkte entstehen: Brote aus Weizen-Erbsen-Mischkultur, die bewusst mit dem Hinweis auf Klimaschutz, Bodengesundheit und bäuerliche Strukturen vermarktet werden.

Für VerbraucherInnen heißt das: Wenn Sie zu Brot aus Weizen-Erbsen-Mischkultur greifen, unterstützen Sie eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet – mit weniger Dünger, mehr Vielfalt, lebendigeren Böden und besseren Perspektiven für bäuerliche Betriebe, statt auf kurzfristige Höchsterträge in Monokultur zu setzen.

Nicht zuletzt wird mit dem VORWERTS Projekt eine Blaupause für transdisziplinäre Praxisforschung im Reallabor* geschaffen und es werden konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbreitung von Weizen-Körnerleguminosen-Mischkulturen in regionalen Bio-Wertschöpfungsketten geschaffen. Nach Abschluss des Projektes wird ein Handbuch zu den Ergebnissen der WissenschaftlerInnen der Uni Kassel sowie der PraktikerInnen aus der Landwirtschaft und Verarbeitung veröffentlicht.

 


Oben zu sehen: Beispiel- und fabelhafte VORWERTS Produkte

- Vollkorn Beckis von BeckaBeck, Römerstein

- Walnuss Batard von Biobäckerei Backwerk, Hannover

- Brot von Brotklappe Weimar